Ist sie eine Mörderin? („Dolores“ von Stephen King)

Ist sie eine Mörderin? („Dolores“ von Stephen King)

September 2, 2019

„Dolores“ ist eines jener Werke von Stephen King, das nicht in sein übliches Horrorschema passt. Hier gibt es nichts Übernatürliches. Stattdessen erleben wir das vollständige Geständnis einer Frau, die in eine Mordermittlung geraten ist: Man verdächtigt sie, ihre Arbeitgeberin getötet zu haben. Auf den ersten Blick scheint sich die Handlung darauf zu stützen – doch in Wahrheit steckt hier viel mehr Emotion und psychologische Tiefe als in einem klassischen Krimi.

Stil

Das Buch ist in Form eines Monologs geschrieben, was für King ungewöhnlich ist. King wagt es, das Lesen in ein langes Gespräch mit Dolores zu verwandeln, und sie ist, wie man wohl sagen muss, eine farbenfrohe und absolut ehrliche Gesprächspartnerin. King „lässt“ die Figur alles zu ihren Bedingungen erzählen: Dolores spricht scharf, ehrlich und manchmal zu offen – und das zieht den Leser sofort in die Geschichte. Man möchte ihren Bekenntnissen lauschen, auch wenn ihre moralischen Grundsätze manchmal fragwürdig erscheinen mögen.

Handlungsentwicklung

Die Handlung entfaltet sich, während Dolores ihre Geschichte den Behörden erzählt – zuerst, um sich vom Mord an ihrer Arbeitgeberin Vera Donovan zu entlasten, dann, um die Details ihrer Ehe und die Ereignisse zu schildern, die sie zu einigen radikalen Entscheidungen gebracht haben (mehr sei hier nicht verraten). Diese ehrliche Beichte basiert auf der Offenheit und dem Mut, mit denen Dolores schwierige moralische Fragen angeht. Im Laufe des Romans beeindruckt ihr Charakter mit Stärke und Direktheit, trotz aller schweren Erfahrungen, die sie gemacht hat.

Große Idee

Interessanterweise schrieb King „Dolores“ relativ schnell – er hatte bereits eine Idee für einen „geständnisartigen“ Monolog, und die Figur entwickelte sich aus seinen Beobachtungen und Geschichten über starke Frauen aus Neuengland. Der Roman wurde fast gleichzeitig mit Das Spiel veröffentlicht, und beide Bücher verbindet nicht nur der parallele Aufbau, sondern auch gemeinsame Themen: Beide Romane erzählen von Frauen, die schwere Erlebnisse durchleben und die Kraft finden, sich ihnen zu stellen.

„Dolores“ ist nicht nur ein Krimi, sondern ein psychologisches Drama, das tief in das schwierige Leben der Hauptfigur und ihres kleinen Ortes eintaucht. Die Atmosphäre vermittelt die Schwere ihrer Lebenslasten, die alltäglichen Probleme und Lasten, die sie mit hartem Humor und Widerstandsfähigkeit trägt. Die emotionale Tiefe, mit der King die Erlebnisse und inneren Kämpfe von Dolores beschreibt, macht diese Figur unvergesslich.

Auch wenn der übliche übernatürliche Aspekt fehlt, schafft es King in „Dolores“ brillant, das Thema der Vergangenheit aufzugreifen, die nie ganz verschwindet und immer in der Nähe bleibt.

Verfilmung

1995 wurde der Roman mit Kathy Bates in der Hauptrolle verfilmt. Die Filmkritiker lobten den Film, und Bates, die bereits mit Kings Werk vertraut war, verlieh der Figur von Dolores eine besondere Tiefe und Stärke. Bis heute bleibt dieser Film eine der besten Verfilmungen von Kings Werken.

Fazit

Der Roman lässt sich wohl nicht als Meisterwerk bezeichnen und wird sicherlich nicht jedem King-Fan gefallen. Ohne das gewohnte Horror-Element wirkt er manchmal etwas langatmig, besonders im Vergleich zu seinen dynamischeren Werken. Trotzdem ist „Dolores“ ein überzeugendes Beispiel dafür, wie gut King mit Psychologie und menschlicher Natur arbeiten kann, um wirklich tiefgründige und vielschichtige Geschichten zu erzählen.